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HERMUNDURIA - Corps im Weinheimer Senioren Convent Hermunduria wurde am 9. November 1898, an der im selben Jahr in Leipzig entstanden Handelshochschule, gegründet. Da die Handelshochschule die erste ihrer Art in Deutschland war, hatte Hermunduria es gegenüber den angestammten Korporationen zunächst sehr schwer. Es gibt genügend Beispiele, dass um die Jahrhundertwende in der akademischen Bevölkerung wenig Verständnis dafür vorhanden war, dass die wirtschaftlichen Umgangsformen und Standpunkte der Privatwirtschaft eines akademischen Studiums bedürften bzw. seiner würdig seien. Als sich Teile der Studenten an diesen neuen Hochschulen auch noch anschickten, die traditionellen Organisationsformen, Sitten und Gebräuche des romantikumwitterten Couleurstudententums zu übernehmen, d.h. Farben tragen, Fechtsport und Kneipen zu feiern, war das für die Mehrzahl der Altakademiker "Sünde wider den Geist". Im Jahre 1907/08 wurde die Handelshochschule in Mannheim gegründet, zu deren Studenten die Hermunduria zwecks Meinungsaustausch und gegenseitiger Unterstützung sofort Kontakte aufnahm. Es hatten sich in Mannheim noch im Gründungsjahr der Hochschule die Korporationen "Akademische Vereinigung Hansea" und im Januar 1909 "Turnerschaft Rheno-Nicaria" formiert. Zwischen der "akademischen Vereinigung Hansea" und Hermunduria entwickelten sich seit 1908/09 bereits enge persönliche Kontakte die durch eine ganze Reihe Bundesbrüder entstanden sind, die an der neuen Handelshochschule entweder als Lehrende oder Studierende bei der Hansea das aus Leipzig gewohnte studentische Umfeld vorgefunden und das zweite Band erworben haben. Bis weit in die 20er Jahre weisen die Hermundurenmatrikel das unter anderen mit Prof. Nicklisch, Dr. Juckenburg, Commerzienrat Dr. Ruckdeschel, Prof. Sommerfeld nach. Umgekehrt hatten auch Mannheimer Studenten in Leipzig rege Kontakte zu Hermunduria, z.B. Prof. Dr. Curt Sandig. Beide Verbindungen begründeten am 01.08.1911 den "Lichtenfelser Chargierten Convent" (L.C.C.), genannt nach ihrem jährlichen Tagungsort Lichtenfels in Oberfranken. Der L.C.C. nahm die Farben violett-gold-grün an, die Farben aus den beiden Gründungskorporationen. Dieser Convent verstand sich als Dachverband für corpsstudentisch ausgerichtete Korporationen an deutschen Handelshochschulen, die infolge der bestehenden Kartellverträge zum jeweils herrschenden Fachprinzip bei den älteren Verbänden – wie z.B. beim KSCV: traditionelles Universitätsstudium, WSC: Studium an technischen Hochschulen, RSC: Studium an tierärztlichen bzw. landwirtschaftlichen Hochschulen – keine Anschlussmöglichkeiten hatten. Der L.C.C. vereinigte 1920, nachdem die tiefen personellen Wunden der Kriegs und Nachkriegsereignisse in den Korporationen überwunden waren, folgende Verbindungen:
Der L.C.C. zeigte sich in seiner Arbeit jedoch dem Wettbewerb mit den großen Korporationsverbänden nicht gewachsen, die Ansichten über Standpunkte und Entwicklungsnotwendigkeiten gingen innerhalb der Verbindungen so weit auseinander, dass sich der L.C.C. im Wintersemester 1920/21 wieder auflöste. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Einbindung der Handelshochschulen Köln und Frankfurt/ Main in die dort neu gegründeten Universitäten (1918 bzw. 1914) und die Vereinigung der Handelshochschule München mit der technischen Hochschule München. Die Mannheimer Korporationen Hansea und Rheno-Nicaria mussten damals bei Gesprächen mit dem Weinheimer Senioren Convent die gleichen Erfahrungen machen wie Hermunduria in Leipzig, dass nämlich aufgrund der bestehenden Kartellverträge KSCV/WSC eine Aufnahme von Korporationen an Handelshochschulen nicht möglich war. Seit Juni 1924 waren Rheno-Nicaria zusammen mit Hansea als renoncierende Corps in den Rudolstädter Senioren Convent (RSC) aufgenommen worden und wurden 1925 rezipiert. Hermunduria in Leipzig ging diesen Weg 1925 und wurde im Mai 1926 rezipiert, nachdem sie 1921 bis 1925 "freie schlagende Verbindung" war. 1925 gehörten dem Rudolstädter Senioren Convent (RSC) insgesamt 51 Corps an fast allen damaligen Universitäten und Hochschulen in Deutschland an. Der Rudolstädter Senioren Convent entstand 1873 an den Tierärztlichen Hochschulen Deutschlands. Er war von Anbeginn an ein bestimmungsmensurenschlagender Verband, der aus zahlreichen Landsmannschaften an diesen Fakultäten hervorgegangen ist. Bis 1895 dehnte sich dieser Fachverband mit Ausnahme von München auf alle deutschen Tierärztlichen Hochschulen aus. In die Jahre der Konsolidierung bei Hermunduria nach 1925 fiel aber auch eine Krise innerhalb der Aktivitas, so dass der RSC 1929 wieder verlassen werden musste. Der 30. Januar 1933, der Tag der Machtergreifung Hitlers mit seiner NSDAP, allerdings beunruhigte die Hermunduren wie eine ganze Reihe ehemaliger RSC Corps so sehr, dass sie wieder in den Dachverband zurückkehrten, um die noch bestehenden Corpsverbände zu stärken. Aus dem gleichen Grunde vereinigten sich am 25. März 1934 der Weinheimer und der Rudolstädter Senioren Convent; dabei ging der RSC im WSC unter Verzicht seiner Eigenständigkeit auf. Zu diesem Zeitpunkt bestand der WSC (inclusive RSC) im Juli 1935 aus 81Corps, die in 16 SC gegliedert waren. Mit dem "Nationalsozialistischen Studentenbund (NSDStB) hatte sich die NSDAP eine politische Kampftruppe in der Studentenschaft aufgebaut, die sie überall mit eigener Liste an den ASTA Wahlen beteiligte. So kam es zu zunehmenden Auseinandersetzungen mit den traditionellen Studentenverbänden, die an Schärfe schnell zunahmen und von den unlauteren Forderungen und Praktiken der NSDAP geprägt waren. So wurde bei öffentlichen Anlässen des Hochschullebens das Recht verlangt, das Braunhemd zu tragen und die Hakenkreuzfahne zu zeigen. Ende 1932 erschien eine Parteiverfügung Hitlers, die von jedem studierenden Parteimitglied verlangte, sich vorbehaltlos hinter den Nationalsozialistischen Studentenbund zu stellen, anderenfalls erfolgt automatischer Parteiausschluss. Damit wurden alle Korporationsstudenten, die gleichzeitig eingeschriebene Parteimitglieder waren, in ernsthafte Gewissenskonflikte gebracht. Betroffen davon war die große Mehrzahl der Korporationen, die in der "Deutschen Studentenschaft" (DSt), dem selbst gewählten und frei arbeitenden Dachverband aller Studenten, zusammengeschlossen waren. Auf diese Weise wurde dessen Arbeit nicht nur ausgehöhlt, sondern über das Parteiabzeichen zu einem politischen Machtinstrument der NSDAP gemacht. Weiterhin wurde das demokratische Prinzip der Convente auf Anordnung der Reichsstudentenführung aufgehoben. Anstelle der Convente trat das "Führerprinzip", so gab es einen Corpsführer, SC Führer, WSC Führer. Damit aber wurde die traditionelle Ordnung der Corpsverbände zerstört, die Selbstbestimmung abgeschafft und die einzelnen Corps zu ausführenden Organen höherer Parteiinteressen. Hinzu kommt, dass eine systematische Hetze gegen die Altherrenverbände einsetzte und durch Erlass des Reichserziehungsministers die Neuimmatrikulationen zugunsten Wehrdienst und Arbeitsdienstpflicht stark eingeschränkt wurden. Auch gegen die ursprünglich unterstützen Schlägerpartien der Korporationen wurde verstärkt vorgegangen. Im SS 1936 erfolgte die Auflösung der Korporationen des "Allgemeinen Deutschen Waffenrings" und weitere Treffen fanden nur noch im privaten und geheim statt. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges mit dem Zusammenbruch des "Großdeutschen Reichs" im April 1945 starrt das deutsche Volk auf die entsetzlichen Folgen einer von Grund auf verfehlten Politik vergangener Jahre. Im Jahre 1949 trafen sich 66 AHV ehemaliger WSC Corps und eine ganze Reihe örtlicher WVAC in Weinheim wieder und stimmten der Rekonstitution des WVAC zu. Sie erklärten die Auflösungen vom 20.10.1935 und 28.05.1938 als nicht nach demokratischem Recht erfolgt und stimmten als Mitgliederversammlung des WVAC dessen ununterbrochenem Fortbestand als e.V. ausdrücklich zu. Nach schriftlicher Abstimmung der in Westdeutschland erreichbaren Corpsbrüder haben die AH Prof. Dr. Sommerfeld und Helmuth Illgner das Mandat, Hermunduria bei der WSC Tagung im Mai 1949 offiziell zu vertreten und die Restitution der Altherren Vereinigung schnellstens zu ermöglichen. Am 28. Mai 1950 erfolgt dann auf dem ersten Hermundurentag nach dem Krieg in HannoverschMünden die Restitution der Altherren Vereinigung, wobei 14 AH persönlich anwesend waren und 21 AH ihre schriftliche Zustimmung erteilt hatten. Die AHV beschließt einmütig die Beibehaltung der Mitgliedschaft im WVAC. Da Leipzig, der alte Heimatort der Hermunduren, in der sowjetischen Besatzungszone liegt und dort ein eigener Staat (DDR) mit eigenständigen korporationsfeindlichen Hochschulgesetzen nach sowjetischem Vorbild errichtet wird, ist eine Restitution des Corps am alten Heimatort politisch ausgeschlossen. Hermunduria muss sich um einen Wiederaufbau an einer Hochschule in der Bundesrepublik bemühen. Für alle Verhandlungen, die mit anderen Corps geführt werden sollen, ist weitgehend die Tradition von Hermunduria, die Erhaltung des Namens und der Farben vorgeschrieben. Am 8. April 1951 wurde das Corps Hermunduria Leipzig an der Wirtschaftshochschule in Mannheim mit einer Aktivitas wieder errichtet. Die Rekonstitution des WSC erfolgte am 23. Mai 1952. Hermunduria tritt 1951 als 34. Corps in die "Weinheimer corpsstudentische Arbeitsgemeinschaft" ein, dem Vorläufer des heutigen WSC in der Wiederaufbauzeit der Aktiven. Zur Weinheimtagung 1952 wurde der WSC dann in feierlicher Form wieder errichtet. Dem Lizenzierungsantrag des Corps wurde an der Wirtschaftshochschule Mannheim am 7. Mai 1953 stattgegeben, am 26.Juni 1953 wurde diese Lizenz auf die Bezeichnung "Corps Hermunduria Leipzig zu Mannheim" erweitert. Die WSC Vollversammlung 1957 bringt im Einvernehmen mit dem Kösener SC zu Heidelberg die Erweiterung des Corpsnamens "zu Mannheim Heidelberg". Das Corps Hermunduria Leipzig wird innerhalb des WSC als beigeordnetes Corps im SC zu Darmstadt geführt. |
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